Scheitern für den Erfolg

„Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern“, brachte es Samuel Beckett in „Worstward Ho“ auf den Punkt. Auch Existenzgründer schlecken bis zum wirtschaftlichen Erfolg selten Honig.

Text: Frank Willberg                                          Fotografie: Gründernest

„Fuckup Nights“ sind ein neues, ganz anderes, aber nicht minder hilfreiches Vehikel der Gründerszene. Das Format entwickelte sich 2012 in Mexiko und schwappte vor zwei Jahren nach Deutschland. Schon der prägnante Titel deutet ein verändertes Verhältnis zum Scheitern an. Nun hat die Welle Mitteldeutschland erfasst.

„Ich bin nicht gescheitert.“

Gefragt, warum er nach tausenden Fehlversuchen eine Glühbirne entwickelte, erwiderte Thomas Edison: „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1.000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“ Ist das bauernschlau, trotzig oder Ausdruck eines nicht versiegen wollenden Optimismus? Sören Frost haut jedenfalls in die gleiche Kerbe: „Scheitern ist eine Notwendigkeit im Gründungsprozess.“ Mit seinem Gründernest, einer Agentur für Geschäftsmodellentwicklung, hat er an die 400 Gründungen begleitet und auch selbst einige hinter sich. Eine Geschäftsidee sei wie eine Hypothese, die getestet und ausgereizt werden müsse, Schritt für Schritt. Offen für Anpassungen, immer auf der Suche nach einem „minimal funktionierenden Produkt“, welches angenommen wird. Scheitern ist dabei eine wichtige und nahezu unvermeidliche Erfahrung. Achtzig Prozent der Existenzgründer scheitern, so schätzt er, weil sie sich nur auf ihr Angebot, weniger auf die Nachfrage konzentrieren. Weil sich bei etlichen Start-ups und Existenzgründern die Schwierigkeiten und Hindernisse ähneln, ehe sich eine tragfähige Idee herauskristallisiert, hat Frost zuerst das Gründernest ins Leben gerufen, dann ein Gründerfrühstück als Netzwerktreffen der Szene initiiert. Nun gibt er mit den „Fuckup Nights“ in Dresden im Drei-Monats-Rhythmus denen eine Bühne, die es trotzdem versuchten.

Keine Angst vorm Scheitern

In der Regel treten drei sogenannte Speaker auf, die in begrenzter Zeit von ihren jeweiligen Erfahrungen berichten und spannend aus dem Nähkästchen plaudern. Es gibt Raum für Dialog – gern auch mit einem lockeren Bier. Die circa 200 bis 300 Tickets für eine solche Abendveranstaltung sind unter den vornehmlich jungen Gästen rasch vergriffen. „Unsere vier ‚Fuckup Nights‘ waren mehr als gut besucht“, erzählt Malte Müns aus Magdeburg. Allerdings sei es schwierig, Speaker zu gewinnen. Ganz ähnlich sieht es Juliane Seeber von der Gründerwerkstatt neudeli, die an der Uni Weimar zur deutschlandweiten Gründerwoche wieder eine „Fuckup Night“ veranstalten wird: „Die Redner müssen gut erzählen können, sich trauen, ihren Misserfolg auf der Bühne zu verarbeiten. Oder sie haben nicht mehr daran zu knabbern, weil es danach gut gelaufen ist.“ Auch in Chemnitz gab es Ende Mai die erste „Fuckup Night“. Aber den Vogel schießt Leipzig ab. André Nikolski veranstaltet jeden Monat eine – seit mehr als einem Jahr. Er schätzt den offenen Umgang mit dem Scheitern, die Intensität dieses offenen Formates und auch, dass der Titel manche vor den Kopf stößt. „Das lässt viele aufhorchen.“ Die persönlichen Geschichten würden ein besseres Empathieverhältnis ermöglichen, den Blick dafür schärfen, was es heißt, Unternehmer zu sein. Der Wert der Erfahrung zeige sich darin, erst auf die Nase zu fallen und dann wieder auf die Beine zu kommen. Letztlich gelte es, Gründungswilligen die Angst zu nehmen.

www.gruendernest.com/fuckupnights-dresden
www.md.fuckupnight.de
www.facebook.com/TheFUNChemnitz

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