Theorie – Theorie – Praxis

Ohne die Fraunhofer-Institute kann über das Thema Wissens-, Innovations- und Technologietransfer nicht gesprochen werden. Dies illustriert nicht zuletzt der Vergleich mit der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft.

Text: Frank Willberg                Fotografie: Fraunhofer IWU

Aus unserer Sprache lässt sich Bedeutsames ablesen. Nicht ohne Grund ist mit der Sprachphilosophie eine Disziplin entstanden, die im thematischen Dreieck Sprache – Bedeutung – Wirklichkeit forscht. Zum Beispiel wird eine patriarchale Gesellschaft den Begriff „Herrschaft“ hervorbringen, während „Frauschaft“ in keinem Duden zu finden ist. Fast noch deutlicher liegen die Dinge bei Namensgebungen: Früher vererbte Berufe verfestigten sich in Familiennamen. Und heutzutage heißt die Fraunhofer-Gesellschaft eben nicht Helmholtz oder Planck.

Forschung ist nicht gleich Forschung

Max Planck war theoretischer Physiker, Quantenphysiker, um genau zu sein. Die Max-Planck-Gesellschaft fördert die Wissenschaften, hauptsächlich durch transdisziplinäre Grundlagenforschung. Die Helmholtz- Gemeinschaft deutscher Forschungszentren stammt aus der Kernforschung, betreibt heute Großforschung, will also „große und drängende Fragen von Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft beantworten“. Und Herrmann von Helmholtz galt passenderweise als Universalgelehrter und wurde auch „Reichskanzler der Physik“ genannt.
Ganz anders Joseph von Fraunhofer: Zwar war auch er ein Vertreter der Physik. Aber er begründete den wissenschaftlichen Fernrohrbau, war letztlich nicht nur Optiker, sondern auch Unternehmer. Dazu kommt, dass die Budgets der Forschungsgemeinschaften Max Planck und Helmholtz zu etwa 70 Prozent mit öffentlichen Mitteln finanziert werden, während das Verhältnis bei Fraunhofer genau andersherum ist. „Wir erwirtschaften 70 Prozent und erhalten 30 Prozent vom Bund“, bestätigt Michael Kuhl. „Fraunhofer macht angewandte Auftragsforschung“ und sei somit eine wohl weltweit einzigartige Schnittstelle des Wissenstransfers, fügt der Hauptabteilungsleiter Strategie und Internationales beim Chemnitzer Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) mit dezentem Stolz hinzu. Zumindest ist Fraunhofer die größte europäische Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen.

„Schnittstelle des Wissenstransfers“

Dieser Schritt von der Theorie zur Anwendung, Nutzbarmachung und eben Praxis ist kein Automatismus und oft nicht ohne Hemmnisse. Kleine und mittlere Unternehmen besitzen nur wenige Ressourcen für eigene Forschung. Wie also schafft es die Digitalisierung in den Mittelstand? Das IWU in Chemnitz arbeitet an Antworten. Da ist zum Beispiel der „Lösungsbaukasten Mittelstand“, mit dem nicht bloß Maschinen digital vernetzt, sondern Menschen als zentrale Entscheider eingebunden und mobile Endgeräte hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit erprobt werden.

Im Herbst soll im IWU außerdem ein ähnliches Projekt starten, bei dem Mittelständler für das Thema Industrie 4.0 sensibilisiert und ihnen Hilfsmittel an die Hand gegeben werden. In Workshops soll ihre Bereitschaft geprüft und geweckt werden. Praktische Demonstrations-Tools zeigen, wie „Big Data“ zu „Smart Data“ werden und sich aus Daten Antworten finden lassen, die Produktivität steigern, die Fehlerrate senken und aus dem Mittelstand dank Wissenstransfer einen Mittelstand 4.0 werden lassen.

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