Wasser, Sport, Spaß

Das Leipziger Neuseenland wartet in jedem Sommer mit Neuerungen auf. Der Freizeitwert der neuen Landschaften ist groß, Wassersportler kommen genauso auf ihre Kosten wie jene, die entspannt die Seele baumeln lassen wollen.

Text: Franziska Reif             Fotografie: Anna Wellendorf; Andreas Schmidt/Leipziger Tourismus und Marketing GmbH

Ein sportliches Großevent im sogenannten Leipziger Neuseenland ist die jährliche Sieben-Seen-Wanderung, die inzwischen vierzig Touren beinhaltet – für Nachteulen wie für Frühaufsteher, für Ehrgeizige wie für Gemütliche. Über 6.000 Wanderfreunde nahmen in diesem Mai teil. Fantasie in der Gestaltung der Boote und Spaß am Sich-Messen kommen beim Drachenbootfestival am Cospudener See zusammen, das seit dem Jahr 2000 ausgetragen wird. Hier geht es wie bei den verschiedenen Segelregattas auf den einzelnen Seen um den Sport auf dem Wasser und, natürlich, um den Spaß dabei. Wasserwandern bedeutet neben den Erlebnissen auf den Gewässern des Neuseenlands, die verschiedenen Umgebungen am Ufer mit per Muskelkraft angetriebenen Booten zu erkunden. Der Gewässerverbund hat sieben unterschiedliche Kurse ersonnen, die künftig auf insgesamt 200 Kilometern Länge durch mehr oder weniger urbane Bereiche der Stadt Leipzig, durch den Auwald und über die Seen führen sollen. Es sind noch nicht alle Kurse vollständig befahrbar, so fehlt zum Beispiel noch die Verbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See. Am Harthkanal wird derzeit gearbeitet. Nach Fertigstellung kann vom Stadthafen westlich der
Leipziger Innenstadt bis zum Hafen Zwenkau durchgepaddelt oder auch gesegelt werden. Wer einigermaßen kanuerfahren ist, startet in Pegau und fährt auf der Weißen Elster die knapp 28 Kilometer zum Stadthafen. Neben Paddeltouren bieten die meisten Seen die Möglichkeit zu segeln oder zu surfen. Davon ausgenommen sind die Gewässer, die dem Naturschutz vorbehalten sind, darunter der Grabschützer oder der Werbeliner See. Stand-up-Paddeling ist immer öfter zu beobachten, sei es auf dem Floßgraben, auf dem Schladitzer oder auf dem Cospudener See.

Cospudener See

Nicht zuletzt wegen seiner guten Erreichbarkeit von der Leipziger Innenstadt aus ist der Cospudener See gerade an heißen Sommertagen auch derjenige, zu dem die Massen strömen. Einen Anteil an dieser Beliebtheit dürfte die gut ausgebaute Infrastruktur zum Gewässer und um das Gewässer herum haben. Die Badestellen haben sich ausdifferenziert: Am einen Ende gleicht das Treiben eher einem Laufsteg, anderswo wird Beachvolleyball gespielt und wer sich nicht begaffen lassen will, findet auch sein privates Eckchen direkt am Wasser. Im Jahreskalender haben sich verschiedene sportliche oder musikalische Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten etabliert. Außerdem ist der Cospudener See bereits seit 2000 fertig geflutet. Das ist viel Zeit für die Landschaft, der man nicht ansieht, dass sie ebenso künstlich angelegt wurde wie der See als Nachfolger des Tagebaus Cospuden selbst. Wie in der einstigen Elsteraue wird es hier freilich nie wieder aussehen. Für Segler gibt es Wasser- und Landliegeplätze, Bootsführerscheine und Schnupperkurse können in verschiedenen Boots- und Surfschulen absolviert werden, die Bootsverleihe haben auch Katamarane im Angebot.

Kulkwitzer See

Der einzige Volljährige im Leipziger Neuseenland wurde bereits ab 1963 geflutet, gebadet wird hier seit 1973. Entsprechend ist man um die anderthalb Quadratkilometer Wasserfläche im Westen Leipzigs herum sehr gut auf Touristen und Badegäste eingerichtet. Es gibt mehrere Badestrände – darunter auch einen behindertengerechten Badesteg – und einige Restaurants und Imbisse. Am bekanntesten ist der Kulki – auch überregional und in Europa – sicher als der See für Taucher. Die kommen gern von weiter her und wohnen dann zum Beispiel auf dem zum See gehörigen Campingplatz. Jedes Jahr verzeichnet der Kulkwitzer See eine halbe Million Besucher, ungefähr 35.000 Übernachtungen fügt er dem wassertouristischen Zähler der Stadt Leipzig jährlich hinzu. Die sportlichen Höhepunkte in jeder Saison sind Marathon und Triathlon. Am See sind mehrere Segelvereine ansässig, es wird gesurft und gerudert. Der See hat eine Wasserskianlage und ist übrigens auch bei Anglern beliebt. Auch im Winter ist Activity möglich: Auf der Lausener Seite gibt es einen Rodelberg.

Markkleeberger See

Einer der beiden Seen, die aus dem Tagebau Espenhain entstanden sind, ist der Markkleeberger See. Der Name deutet in die richtige Richtung: Die 252 Hektar Wasserfläche befinden sich auf dem Gebiet der Stadt Markkleeberg und sind von dort auch gut erreichbar, sogar mit der Straßenbahn. Seit der Flutung 2006 entwickelt sich die Seepromenade am dortigen östlichen Ufer, Badestrände gibt es an allen Abschnitten außer im Süden. Vom Hang schauen kleine Einfamilienhäuser und eine Ferienhaussiedlung in die Gegend. Lohnend ist der oberhalb von ihnen entlang führende Uferrundweg. Der Abraum der Kohlegewinnung hat hier mit der Crostewitzer Höhe einen im Leipziger Umland selten zu findenden Berg geschaffen. Da das Material dafür irgendwo herkommen muss, kann das Gewässer mit etwa 57 Metern für sich beanspruchen, der tiefste See des Leipziger Neuseenlands zu sein. Berühmtheit erlangte der Kanupark im südlichen Bereich, der unter anderem Wildwasserrafting auch für Laien – Kinder ab 12 Jahren – ermöglicht und Schauplatz für internationale Wettkämpfe ist. Auch am Markkleeberger See können Sportbootführerscheine erworben oder Segelboote und Kanus, Schlauchboote, SUPs und Katamarane ausgeliehen werden.

Störmthaler See

Der Störmthaler See ist das andere Gewässer, das dem Tagebau Espenhain zu verdanken ist. Mit dem Markkleeberger See verbindet ihn nicht nur die gemeinsame Geschichte und der Geopfad. Der Geopfad umfasst ein gutes Dutzend Stelen an beiden Seen, die in die Erdgeschichte blicken lassen, Themen sind unter anderem Fische, Seekühe und Meeresschildkröten, die Eiszeit oder tertiäre Flusslandschaften. Eine weitere, ganz physische Verbindung ist die Kanuparkschleuse. Mit deren Eröffnung 2013 wurde ein entscheidender Schritt in die Verwirklichung der Vision von miteinander verbundenen Gewässern im Neuseenland getan – es fällt übrigens kaum auf, dass zwischen den Geschwistergewässern die A38 verläuft. Auf der 730 Hektar großen Wasserfläche verkehren nicht nur Kanus, sondern auch ein Fahrgastschiff. Eine Attraktion mitten im Wasser ist die schwimmende Vineta, eine Nachbildung des Turms der einstigen Magdeborner Kirche, die im Zuge der Initiative „Kunst statt Kohle“ entstanden ist. Wer es zum Dispatcherturm an der Magdeborner Halbinsel schafft, bekommt im Bistro einen Imbiss. Jedes Jahr im August findet auf der Halbinsel das Highfield-Festival statt. Vom Hafen in der Grunaer Bucht aus startet ein 100 Jahre alter Motorsegler seine Rundfahrten. Unweit davon ist der Surfstrand, im Hafen sind Liegeplätze für Segler. Die Surfschule unterrichtet auch Kanu- und Stand-up-Paddeln und vermietet entsprechende Geräte. Auf der Magdeborner Halbinsel wird ein Triathlon veranstaltet. Dort gibt es auch eine Anlage zum Bogenschießen. Eine weitere Attraktion sind die Amphibienfahrzeuge in zwei verschiedenen Größen, die ein Wasser-Land-Erlebnis ohne Umsteigen ermöglichen. Der Traum vom Fliegen erfüllt sich dank Wasserdruck mit einem Jetlev-Fly.

Schladitzer See

Im Landkreis Nordsachsen, ungefähr auf halber Strecke zwischen Delitzsch und Leipzig, liegen die knapp 220 Hektar, die das Ergebnis einer nur kurzen Bergbaugeschichte bilden: Der Tagebau Breitenfeld wurde 1986 eröffnet und kurz nach der Wende schon wieder stillgelegt. Seit 2008 ist der Schladitzer See ein Badesee, die Schladitzer Bucht steht ganz im Zeichen des Wassersports: Es werden Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse im Windsurfen, Segeln und Katamaranfahrten angeboten, Surfmaterial, Segelboote und Katamarane können ausgeliehen werden. Am Strand geht es weiter mit der Körperertüchtigung, nämlich auf den Volleyballanlagen. Dem Wassersport-Image zum Trotz hat der See aber auch ruhige Ecken, in denen sich in aller Beschaulichkeit am Strand liegen lässt. Ab und an taucht ein Flugzeug im Blickfeld auf, das den nahen Flughafen Leipzig/Halle ansteuert oder von dort startet.

Zwenkauer See

Der größte und gleichzeitig der jüngste See im Neuseenland südlich von Leipzig ist der seit 2015 freigegebene Zwenkauer See mit seinen 970 Hektar Wasserfläche. Dass seine Flutung erst so spät einsetzte, war im Juni 2013 ein Glück für die Bewohner von Leipzig und Halle: Als die Weiße Elster mit mehr als 300 Kubikmetern in der Sekunde heranrollte, konnte das Wasser in den See geleitet werden, dessen Wasserspiegel binnen weniger Tage um drei Meter anstieg. Im Bereich des gut ausgebauten Hafens, am Kap Zwenkau, lässt sich wohnen und arbeiten, am Hang entstehen Wohnhäuser. Aussicht verheißt das dem weltweit größten Abraumförderturm nachempfundene Gebäude oberhalb des Hafens, das das Herzstück des Bergbaupavillons bildet und in dem sich auch Gastronomie befindet. Westlich des Hafens hat der Sporthafen 160 Liegeplätze. Das Fahrgastschiff MS Santa Barbara dreht vom Hafen aus schon seit 2008 seine Runden. Der wassersportliche Schwerpunkt des Sees liegt beim Segeln.

Hainer See

Ähnlich wie der Bockwitzer See, der in die 7-Seen-Wanderung eingebunden ist, geht der Hainer See gerne mal unter, wenn es um das Leipziger Neuseenland geht. Dabei ist das Gewässer in Neukieritzsch mit einer Fläche von 560 Hektar verkehrtechnisch sehr gut angebunden und touristisch erschlossen. Nach Schließung des Tagebaus Witznitz II 1993 wurde er von 1999 bis 2010 geflutet. Landschaftliche Reize sind neben dem Wasser die Steilküste und der Kippendamm, der den Hainer vom Kahnsdorfer See trennt. 2010 wurde das Gewässer über einen Kanal an die Pleiße angeschlossen. Es besteht eine noch gesperrte Gewässerverbindung zum Haubitzer See. Das Wassersportvergnügen reicht von Segeln und Surfen bis zum Wasserski. Der Sandstrand Kahnsdorf hat ein Beachvolleyballfeld und an der Lagune Kahnsdorf befinden sich Anglerhütten und Bootshäuser. Hier sind auch verschiedene Gewerbe angesiedelt. Wer übernachten will, findet ein breites Angebot vom Campen bis zur Ferienwohnung vor. Der Kahnsdorfer See, der aus demselben Tagebau entstanden ist, ist Vorranggebiet für Natur und Landschaft. Somit bleibt er sich selbst überlassen und ist ein lohnendes Ziel für Naturfreunde.

Geiseltalsee

Der Geiseltalsee im südlichen Sachsen-Anhalt ist mit seinen fast 19 Quadratkilometern der größte künstliche See Deutschlands und gehört nicht mehr zum Neuseenland im Süden von Leipzig. Den See umgeben Wald- und Erholungsflächen. Im Norden wird am Weinberg „Goldener Steiger“ auf 30 Hektar Fläche Wein angebaut, der in der dazugehörigen Straußwirtschaft verkostet werden kann, Aussicht über das Gelände des Sees inklusive. Aussicht verheißen auch die drei dafür gedachten Türme. An der Marina Mücheln kann, wer sein Fahrrad vergessen hat, sich für den 27 Kilometer langen Rundweg und darüber hinaus eines leihen. Der Geiseltal- Express verbindet die Fahrt um den See mit Wissensvermittlung. Außerdem gibt es an der Marina Imbiss, Restaurant, Liegeflächen und Antwort auf sämtliche Fragen zu Booten oder zum See selbst. Segelschule, Floßverleih und Tauchzentrum sowie ein Fahrgastschiff bedienen verschiedene Wasserfreuden. Für die Übernachtung können ein Hausboot, eine Ferienunterkunft oder der Campingplatz oberhalb des Strand Stöbnitz bezogen werden.

www.leipzigerneuseenland.de
leipziger-neuseenland.de
www.geiseltalsee.de

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